Oberlandesgericht Karlsruhe vom 28.05.2018
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Verspätete Mammakarzinom Diagnose, OLG Karlsruhe, Az.: 7 U 58/17

Chronologie:
Anfang 2012 begab sich die Klägerin zwecks Mammographie in die Klinik der Beklagten. Die Diagnose lautete: keine Tumorzeichen. Ein Jahr später stellte sich die Klägerin in einer anderen Klinik vor. Dort stellten die Mediziner fest, dass bereits auf den Aufnahmen aus dem Vorjahr deutlich Mikrokalk zu erkennen war. Es wurde ein Mammogramm mit hochgradig malignomverdächtigem mikroverkalktem Herd diagnostiziert. Ferner hatten sich zwischenzeitlich bereits sechs Lebermetastasen entwickelt.

Verfahren:
In der Sache war bereits das Landgericht Karlsruhe (Az.: 4 O 29/14) befasst gewesen und hatte die Klage als unbegründet abgewiesen. Hiergegen richtet sich die Berufung der Klägerin. Das Landgericht argumentierte, dass die Beklagte zwar einen Diagnoseirrtum begangen habe, aber die Klägerin nicht der Nachweis gelungen sei, dass und inwieweit ihr Gesundheitszustand bei richtiger Diagnose ein anderer gewesen sei. Demgegenüber stellt der OLG Senat fest, dass nicht lediglich ein bloßer Diagnoseirrtum vorlag, sondern ein Befunderhebungsfehler. Damit tritt hinsichtlich der Kausalität für den eingetretenen Gesundheitsschaden eine Beweislastumkehr zugunsten der Klägerin ein, wenn sich bei der fehlerhaft unterlassenen Abklärung der Symptome mit hinreichender Sicherheit ein so deutlicher Befund ergeben hätte, dass sich dessen Verkennung als fundamental darstellen würde und dieser Fehler generell geeignet ist, den tatsächlich eingetretenen Gesundheitsschaden herbeizuführen. Die Parteien haben sich sodann auf eine Abfindung von pauschal 15.000,- Euro geeinigt.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Verspätete Karzinomdiagnosen stellen einen Standardfall im Bereich der Arzthaftung dar. Je nach Progressivität des Karzinoms können die Folgen für den Betroffenen erheblich sein, stellt Rechtsanwalt Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht klar.

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