Landgericht Koblenz – vom 17.10.2016
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Unterlassene Kontrollzystoskopie nach Harnblasenverletzung, LG Koblenz, Az.: 1 O 80/15

Chronologie:
Anlässlich der Entbindung einer Tochter kam es bei der Klägerin in der Klinik der Beklagten zu einer Verletzung der Harnblase, die über fünf Tage hinweg nicht diagnostiziert wurde. Es entstanden große Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum. Durch diese Fehlerhaftigkeit litt die Klägerin erheblich unter Schmerzen, es war ein verlängerter Krankenhausaufenthalt erforderlich, ein zweimaliges Öffnen der Sectionarbe und es kam zu weiteren Problemen.

Verfahren:
Bereits die Gutachterstelle der Ärztekammer Saarland hatte den Vorfall mittels eines gynäkologisch- geburtshilflichen Gutachtens hinterfragen lassen (Az.: G 37/2013) und stellte im Ergebnis einen Behandlungsfehler fest. Der Haftpflichtversicherer der Beklagten bot daraufhin eine pauschale Abfindung von zunächst 5.000,- Euro, später 10.000,- Euro an, worauf die Klägerin sich jedoch nicht einließ. Das Landgericht Koblenz schlug den Parteien nunmehr nach Einholung eines weiteren Gutachtens, das das Vorgutachten bestätigte eine gütliche Einigung über 12.500,- Euro vor. Zudem muss die Beklagtenseite auch anteilige Gerichtskosten, Sachverständigenkosten sowie Anwaltskosten zahlen.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Versicherer bieten vorgerichtlich bei eindeutigen Sachverhalten oft Abfindungssummen an, die untersetzt sind. Hätte der Haftpflichtversicherer eine angemessenere Regulierung vorgenommen, wäre es nicht zu dem Verfahren gekommen und die Gerichtsbarkeit entlastet worden, meint die sachbearbeitende Rechtsanwältin Agnes Szlachecki.

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