Landgericht Saarbrücken – vom 10.11.2015
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Nicht indizierter Eingriff an den Wirbelkörpern in Höhe L3/L4, 20.000,- Euro; LG Saarbrücken, Az.: 16 O 260/14

Chronologie:
Der Kläger litt unter Schmerzen im Bereich des Gesäßes linksseitig und begab sich in die Klink der Beklagten, wo ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurde. Die Beklagte operierte den Kläger, wobei die Operation fälschlicherweise auf der Höhe L3/L4, anstatt auf der Höhe L4/L5 vorgenommen wurde. Seit diesem Vorfall leidet der Kläger unter Schmerzen und Taubheitsgefühl im linken Bein.

Verfahren:
Das Landgericht Saarbrücken hat ein fachneurochirurgisches Zusammenhangsgutachten eingeholt. Im Ergebnis stellte der Gutachter u.a. fest, dass es sich bei der unberechtigten Ausräumung des Zwischenwirbelraumes um einen groben Behandlungsfehler handelt. Daraufhin hat das Gericht den Parteien einen Vergleich über eine Pauschalabgeltung von 20.000,- Euro vorgeschlagen.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Zusätzlich zu der pauschalisierten Abfindungssumme soll die Beklagtenseite auch weitergehende Anwaltskosten zahlen. Der Haftpflichtversicherer der Beklagten, die Allianz Versicherung hatte noch mit Schreiben vom 31. Oktober 2014 vollmundig erklärt: „Entgegen Ihrer Darstellung lag also kein Operationsirrtum vor, sondern das Vorgehen der Ärzte unserer Versicherungsnehmerin war absolut indiziert und regelrecht.“

Das sahen Kläger, die Prozessvertreter des Klägers, der gerichtlich bestellte habilitierte Sachverständige und das Landgericht Saarbrücken dann doch im Ergebnis ganz anders! Mit einer solchen Regulierungsverweigerungstaktik eines Versicherers wird ein medizingeschädigter Patient geradezu in ein gerichtliches Verfahren hineingenötigt….. zur Belastung der Gerichtsbarkeit und zum Nachteil der Versichertengemeinschaft, stellt RA Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht fest.

Für medizingeschädigte Patienten sollte die Auswahl der zu involvierenden Anwaltskanzlei von folgenden Kriterien maßgeblich beeinflusst sein:

1. Kompetenz:

Nur Anwälte, die langjährige (mindestens 10-15 Jahre) auf diesem Rechtsgebiet tätig sind, verfügen über eine entsprechende Erfahrung und i.d.R. entsprechende Kontakte zu qualifizierten Sachverständigen jeglicher medizinischer Fachrichtung. Auch verfügen nur Anwälte, die einen Fachanwaltstitel für Medizinrecht haben, über nachweisbare theoretische und praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet!

2. Erfolge:

Nachweisbare Erfolge gibt eine Anwaltskanzlei mit Benennung des gerichtlichen Aktenzeichens an! Macht sie es nicht, so sind „Erfolge“ leicht zu fingieren. Mehrere hunderte derartiger nachweisbarer Erfolge sollten es schon sein, um sich sicher zu sein, dass die involvierte Kanzlei nicht nur vorgibt und medial verbreiten lässt, welche Summen von ihr tatsächlich eingeklagt werden, sondern welcher konkrete Erfolg von ihr auch erzielt wurde!

3. Ortsnähe:

Jede Anwaltskanzlei kann sich damit brüsten, „bundesweit“ tätig zu sein. Es besteht schon seit langem keine Beschränkung mehr, nur an einem Gerichtsstand tätig zu werden. Aber ob es Sinn macht, etwa eine Kanzlei in Schleswig-Holstein oder am Niederrhein für ein Mandat in Passau, Frankfurt/Oder oder Freiburg im Breisgau einzuschalten, bedarf sicher keiner weiteren Diskussion.

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