Landgericht Hamburg – vom 13.03.2013
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Schwerstpflegefall durch Falschmedikation – Gericht tadelt Versicherer wegen Regulierungsverweigerung, LG Hamburg, Az. 323 O 323/10

Chronologie:
Die 74jährige Klägerin wurde nach einer psychiatrischen Behandlung aufgrund einer dementiellen Erkrankung im Pflegeheim durch ihren Hausarzt weiterbetreut. Nach dem Therapievorschlag des Krankenhauses sollte das Mittel Leponex 100 verabreicht werden. Der Beklagte verabreichte stattdessen versehentlich das Mittel Hypnorex. Aufgrund der Fehlmedikation wurde die Klägerin bettlägerig und zu einem Schwerstpflegefall.

Verfahren:
Aufgrund der klaren Sachlage sah es das Landgericht Hamburg zunächst nicht für notwendig an, ein Gutachten einzuholen. Nur rein vorsorglich wurde dann doch eines eingeholt, das einen groben Behandlungsfehler konstatierte. Das Gericht sprach sodann ein Schmerzensgeld von 100.000,- Euro aus mit der Zusatzbegründung neben der Sorgfaltspflichtverletzung sei auch die Regulierungsverzögerung durch den Haftpflichtversicherer, die HDI Gerling, zu berücksichtigen. Darüberhinaus stellte das Gericht fest, dass der Beklagte auch sämtliche materiellen Schäden sowie immateriellen Zukunftsschäden zu ersetzen habe. Die Gesamtansprüche dürften im Millionen Euro Bereich liegen.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
Der Versicherer hatte die Regulierung verweigert, obwohl sogar ein staatsanwaltschaftlich eingeholtes Sachverständigengutachten einen groben Behandlungsfehler konstatiert hatte. Gerichte dürfen in einem solchen Fall, wenn die finanzielle Machtposition des Geschädigten ausgenutzt wird, das Schmerzensgeld erhöhen, so der sachbearbeitende Rechtsanwalt Tobias Kiwitt von Ciper & Coll. Hiervon hat das Landgericht Hamburg Gebrauch genommen.

Leave A Reply

Scroll Up