Landgericht Stuttgart – vom 22.05.2012
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns nach vorgenommener Nasenoperation, LG Stuttgart, Az. 20 O 278/11

Chronologie:
Die Klägerin befand sich wegen dauerhafter behindeter Nasenatmung in Behandlung bei der Beklagten. Es wurde eine operative Behandlung vorgeschlagen, auf die sich die Klägerin einließ. Seit der Operation leidet die Klägerin unter dem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes.

Verfahren:
Das LG Stuttgart hat die Angelegenheit fachmedizinisch eruieren lassen und unter anderem die Klägerin dazu befragt, ob sie über das operationsimmanente Risiko, das sich anlässlich der Operation nunmehr verwirklicht hat, von Ärzteseite hinreichend aufgeklärt worden ist. Weiter war zu klären, ob sie sich in dem Falle, in dem sie um das Risiko gewußt hätte, von der Operation Abstand genommen hätte, ob bei ihr also ein Entscheidungskonflikt vorgelegen hat. Im Ergebnis kam das Gericht zur Auffassung, daß die Klägerin nicht ausreichend aufgeklärt wurde und schlug den Parteien einen Vergleich an, den diese akzeptierten. Die Gesamtansprüche liegen im fünfstelligen Eurobereich.

Anmerkungen:
Gerade in denjenigen Fällen, in denen eine Operation nicht absolut, sondern nur relativ indiziert ist, besteht eine besondere Aufklärungspflicht der Operateure über die Risiken, die sich verwirklichen können. Dem Patienten soll die Möglichkeit gegeben werden, sich gegen eine Operation zu entscheiden, wenn ihm das Risiko zu hoch erscheint. Erfolgt diese Risikoaufklärung nicht, beziehungsweise unzureichend, liegt ein Behandlungsfehler vor, der zu denselben Konsequenzen wie eine fehlerhafte Behandlung an sich führt.

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