Landgericht Memmingen – vom 15.12.2011
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Verspätete Karzinomdiagnose trotz pathologisch-anatomischen Befundes, LG Memmingen, Az. 21 O 1480/10

Chronologie zusammengestellt von Ciper & Coll, die Anwälte für Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Schmerzensgeld, bundesweit:
Der Kläger begab sich zwecks Diagnostik in die Behandlung des Beklagten. Dieser verabsäumte es, den histologischen Befundbericht ordnungsgemäss und zeitgemäss an den Hausarzt zu übermitteln, ebensowenig wurde der Kläger informiert. In der Folge war eine Radio-Chemotherapie erforderlich.

Verfahren:
Das Landgericht Memmingen hat den Vorfall fachmedizinisch hinterfragen lassen. Der Gutachter kam zum eindeutigen Ergebnis, dass der Patient bei einem bösartigen Befund zu unterrichten sei. Die Initiative müsse vom behandelnden Arzt ausgehen, es könne nicht zugewartet werden, bis der Patient sich „spontan“ in der Praxis des Arztes vorstelle. Die Übersendung des pathologischen Befundes per Telefax an den Hausarzt sei als problematisch anzusehen. Die Verantwortung dafür, dass der Befund beim Hausarzt eingeht und von diesem wahrgenommen werde, liege nach Auffassung des Gutachters beim Untersucher als primären Empfänger des Befundes. Das Landgericht riet den Parteien sodann zu einem Vergleich an, den beide akzeptierten. Die Gesamtregulierung liegt im deutlich fünfstelligen Eurobereich.

Anmerkungen:
Sobald ein pathologischer Befund vorliegt, obliegt es dem behandelnden Arzt, entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um die weitergehende medizinische Versorgung des Patienten zu gewährleisten, konstatiert Rechtsanwalt Dr. D.C. Ciper, LLM. Erfolgt das, durch welche Umstände auch immer, jedoch nicht, hat der Behandler den daraus entstehenden Schaden zu verantworten, so wie im vorliegenden Fall.

Leave A Reply

Scroll Up