Landgericht Kiel – vom 18.11.2011
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht – Behandlungsfehler:
Dauerhafte Senkungsprobleme nach Durchstechung der Harnblase anlässlich problabierender Cystocele, LG Kiel, Az. 8 O 54/10

Die Klägerin stellte sich notfallmässig wegen eines Vaginalprolaps in der Klinik der Beklagten vor. Hier wurde ein Descensus vaginae anterior mit einer prolabierenden Cystocele diagnostiziert und ein sogenanntes „lateral-repair“ vorgenommen. Dabei kam es zu einer Durchstechung der Harnblase durch Verbleib von Ethibond-Fäden. Die Klägerin leidet seit dem Vorfall erheblich an starken Schmerzen, Inkontinenz, Blasenempfindlichkeit und muss zwei Katheter tragen.

Verfahren:
Das Landgericht Kiel hat den Vorfall mittels eines gynäkologischen Fachgutachters hinterfragen lassen, der u.a. feststellte, dass ein Durchstechen der Harnblase fehlerhaft sei. Da die Beklagtenseite nicht zu einem Vergleich bereit war, verurteilte das Gericht sie zur Zahlung eines Schmerzensgeldes und stellte darüberhinaus fest, dass alle weiteren materiellen Schäden zu zahlen seien. Die Gesamtansprüche der Geschädigten liegen im deutlich fünfstelligen Eurobereich.

Anmerkungen:
Gerichte halten sich bei ihren Entscheidungen in der Regel an die Ausführungen des gerichtlich bestellten Gutachters. Konstatiert dieser Behandlungsfehler, gewinnt der Patient den Prozess, bzw. schliessen die Parteien einen Vergleich ab. In der vorliegenden Sache kam ein Vergleich nicht zustande, so dass das Gericht ausurteilen musste.

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