Landgericht Bonn – vom 01.11.2011
Medizinrecht – Arzthaftungsrecht -Behandlungsfehler:
Befunderhebungsfehler nach Ellenbruch und Ausrenkung des Speichenkopfes, LG Bonn, Az. 9 O 218/10

Chronologie:
Der Kläger erlitt bei einem Arbeitsunfall einen Ellenbruch am linken Arm. Zugleich kam es zu einer Ausrenkung des Speichenkopfes. Dieser wurde fehlerhaft nicht diagnostiziert, eine Speichenkopfresektion war erforderlich.

Als Folge der verzögerten Diagnose ist der Arm des Patienten nur noch eingeschränkt beweglich.

Verfahren:
Das Landgericht Bonn hat den Vorfall mittels eines unfallchirurgischen Sachverständigen würdigen lassen. Dieser konstatierte im Ergebnis einen Befunderhebungsfehler im Krankenhaus der Beklagten. Da eine vergleichsweise Einigung nicht zustande kam, verurteilte das Gericht die Beklagten zur Zahlung eines Schmerzensgeldes und stellte darüberhinaus fest, dass sämtliche weiteren materiellen Schäden zu ersetzen seien. Die Gesamtansprüche des Geschädigten liegen im deutlich fünfstelligen Eurobereich.

Anmerkungen:
Die Besonderheit in dem vorliegenden Fall lag u.a. dass das Gericht nochmals klar herausstellt, dass auch für bereits entstandene und bezifferbare Schäden ein Feststellungsantrag gestellt werden kann. Das Gericht weist explizit darauf hin, dass die Erweiterung des Streitstoffes auf den Umfang des materiellen Schadens und die damit verbundene Ausweitung möglicher Beweisthemen zu einer nicht unerheblichen Verlängerung des Rechtsstreits führen kann, während eine gerichtliche Feststellung des haftungsgrundes oft eine außergerichtliche Einigung der Parteien erleichtern und einen Folgeprozess über den Schadenumfang entbehrlich machen kann.

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