Landgericht Berlin – vom 09.06.2011
Falschdiagnose eines grossflächigen Ovarialtumors als Hashimoto-Thyreoiditis, LG Berlin, Az. 13 O 11/08

Chronologie:
Die zwischenzeitlich verstorbene Klägerin befand sich bei der Beklagten, einer Hausärztin, im Jahre 2002 aufgrund von Herzbeschwerden und abdominalen Krämpfen in Behandlung. Diese diagnostizierte fehlerhaft zunächst ein Reizdarmsyndrom. Eine Darmspiegelung oder Untrallschalluntersuchung veranlasste sie indes nicht. Als die Beschwerden sich nicht besserten, diagnostizierte die Medizinerin eine sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis.

Verfahren:
In dem im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens vor dem Landgericht Berlin eingeholten Sachverständigengutachten bestätigt der Gutachter, dass eine Unterbauchsonografie hätte vorgenommen werden müssen. Die Beklagte entdeckte dadurch einen grossflächigen Ovarialtumor nicht. Nach langer Krebserkrankung verstarb die Klägerin sodann im Jahre 2007.

Die Parteien einigten sich auf Zahlung eines deutlich im fünfstelligen Eurobereichs liegenden Betrages im Vergleichswege.

Anmerkungen:
Der Fall zeigt einmal mehr, wie lange sich arzthaftungsrechtliche Angelegenheiten hinziehen können. Die Fehlbehandlung datiert aus 2002, der vergleichsweise Abschluss neun Jahre später.

Zugleich zeigt der Fall aber auch, dass das Betreiben eines solchen langwierigen Verfahrens angesichts der durch unterlassene Befunderheblungen eintretenden Beweiserleichterungen sich für den Patienten durchaus lohnen kann.

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