Landgericht Flensburg – vom 15.01.2011
Grober Behandlungsfehler bei chronischer entzündlicher Darmerkrankung (CED) mit Entstehung eines toxischen Megakolons und operativer Darmresektion – LG Flensburg 3 O 366/06

Chronologie:
Die Klägerin begab sich in die stationäre Behandlung beim Beklagten, nachdem sie über einen Zeitraum von sechs Tagen wegen Erbrechens und Durchfall von ihrem Hausarzt erfolglos behandelt worden war.
Bei der stationären Aufnahme stellte die Beklagte zunächst eine entzündliche Erkrankung im MAgen-Darm-Trakt fest und behandelte mit durchfallhemmenden Medikamenten, die jedoch keinen heilenden Effekt hatten.
Dem Beklagten wurde vorgeworfen, die entzündliche Darmerkrankung CED nicht früher erkannt zu haben. Es hätte noch eine medikamentöse Therapie erfolgen können und die Entstehung eines toxischen Megakolons und die operative Darmresektion wären vermieden worden.

Verfahren:
Das Landgericht Flensburg erkannte einen groben Behandlungsfehler und einen immateriellen Schadenersatz von 35.000,- Euro zu. Hinzu tritt der Ersatz der materiellen Kosten für die Vergangenheit von rund 30.000,- Euro sowie die Feststellung, dass der Beklagte verpflichtet ist, künftige immaterielle und materielle Schäden auszugleichen.

Anmerkungen:
Das Verfahren dauerte fast fünf Jahre. Der Beklagte agierte mit einer auffallenden Verzögerungstaktik, in dem er wiederholt untersetzte Vergleichsangebote unterbreitete und die weitere Aufklärung der groben Behandlungsfehlerhaftigkeit torpedieren wollte. Das Gericht begründete die grobe Fehlerhaftigkeit in einem 32seitigen Urteil sehr sorgfältig.

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