Landgericht Köln – vom 12.01.2011
Verspätete Behandlung eines Kompartment-Syndroms – LG Köln, Az.: 25 O 410/06

Chronologie:
Der zum Zeitpunkt der Schädigung vierjährige Kläger wurde in der Klinik der Beklagten urologisch behandelt. Nach der Operation trat bei ihm ein sogenanntes Kompartment-Syndrom ein.

Aus den Entscheidungsgründen:
Das Gericht kommt zum Ergebnis, dass angesichts der nach der Operation aufgetretenen Komplikationen unverzüglich eine genaue neurologische Untersuchung hätte gemacht werden müssen, um ein Kompartment-Syndrom auszuschliessen. Die Verkennung der nach der Operation eingetretenen Schwellung und der Schmerzen und die Nichtreaktion sind als grob fehlerhaft anzusehen.

Anmerkungen:
Dem Kläger wurden 85.000,- Euro Schmerzensgeld, nebst Zinsen, sowie alle materiellen Ansprüche zugesprochen. Über die Höhe dieser Ansprüche wird gegenwärtig noch verhandelt. Der Versicherer bietet weitere rund 100.000,- Euro zur Gesamtregulierung an, was dem Kläger jedoch zu wenig erscheint.

Bemerkenswert an der Angelegenheit war, mit welcher Deutlichkeit der gerichtlich bestellte Gutachter, Direktor einer Universitätsklinik, einen Verstoss gegen gesicherte medizinische Erkenntnisse konstatierte. So gehöre es zum Grundwissen eines jeden Arztes, erst recht eines Facharztes, dass bei der hier vorliegenden Symptomatik zumindest differentialdiagnostisch die Frage eines Kompartment-Syndroms ins Auge zu fassen sei.

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