Landgericht Kempten – vom 11.01.2011
Verspätete Karzinomdiagnose – LG Kempten, Az.: 2 O 905/07

Chronologie:
Die zum massgeblichen Zeitpunkt 46jährige Klägerin begab sich erstmals im Frühjahr 2004 u.a. wegen zeitweilig auftretender Nierenschmerzen in ärztliche Behandlung. Die Rückenschmerzen wurden durch den behandelnden Arzt der LWS zugeordnet. Bei Untersuchung der Blutwerte stellte der Mediziner eine deutlich ausgeprägte Anämie fest, weshalb die Klägerin medikamentös behandelt wurde, ohne jedoch der Ursache für die Anämie näher auf den Grund zu gehen.

Nachdem die Beschwerden sich massiv verschlimmerten, erfolgte im August 2004 eine stationäre Behandlung, im Rahmen derer auch die Nieren per Ultraschall untersucht wurden, ohne dass jedoch der zu diesem Zeitpunkt bereits hochgradig pathologische Befund eines Nierenzellkarzinoms erhoben wurde. Erst nach einem Arztwechsel wurde im Herbst 2005 die Diagnose eines fortgeschrittenen metastasierenden Nierenzellkarzinoms gestellt.

Anmerkungen:
Der vom Gericht bestellte Sachverständige kam im Ergebnis zur Konstatierung, dass die Beurteilung der per Ultraschall erhobenen Befunde als `Nierenzysten` eine Fehldiagnose darstellt, die einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf. Auch habe der erstbehandelnde Arzt den Minimalanforderungen betreffend der Kontrolle der Nieren nicht genügt.

Die Parteien einigten sich in dem Verfahren im Wege des Vergleichs, wonach sich die Beklagten verpflichteten, der Klägerin zur Gesamtabgeltung eine pauschale Entschädigungssumme von insgesamt 170.000,- Euro zu zahlen.

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